Vorschau Lake District 2028
Lakeland – Landschaft der Poeten
Eine siebentägige Musik- und Gartenreise in den englischen Lake District
Anfang Mai 2028
Der Anblick der Felsen über mir zu beiden Seiten und der ungestümen Wolken knapp darüber, die so fahl und so rasch nach Norden jagten, überwältigte mich; ich lag in einem Zustand beinahe prophetischer Entrückung und Wonne.
Samuel Taylor Coleridge, 6. August 1802, beim Abstieg vom höchsten Berg Englands, dem Scafell Pike.
Essenz eines Landschaftsgemäldes
Licht bricht zwischen den Wolken hindurch und fällt auf die Fells, jene felsigen Kuppen, die über den Tälern thronen. Für wenige Minuten liegt eine ganze Talflanke in einem Leuchten, wie man es von William Turner kennt; dann wandert es weiter, und der Hang sinkt ins Graue zurück.
Darunter beginnt Arkadien: Weiden voller Schafe, dazwischen Trockenmauern, die seit Jahrhunderten dort stehen, kunstvoll gesetzt und archaisch zugleich. Bukolisch ist das Wort, das einem dazu einfällt. Und wenige hundert Schritte weiter beginnt das andere – Felswände, Wasser, das aus der Höhe stürzt, Wolken, die tiefer ziehen als die Gipfel. Edmund Burke gab dieser Erfahrung im 18. Jahrhundert ihre folgenreichste Deutung: die des Erhabenen. Hier ist es zu finden.
Dazwischen liegen Dörfer, die einem früheren Jahrhundert anzugehören scheinen: ein Fluss, eine Kirche, ein Wirtshaus. Pittoresk ist hier kein Schmuckwort, sondern ein Fachbegriff. Er wurde an dieser Landschaft geschärft, als sein Urheber William Gilpin gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Seen bereiste und seinen Landsleuten beschrieb, wie sie anzusehen seien.
Grasmere – im Herzen des Lake District
Ein Dorf aus dunklem Stein, ein kleiner See mit einer einzigen Insel, und ringsum stehen die Fells so nah, dass sie am Abend das Licht wegnehmen.
Unser Hotel steht in Grasmere, und darin liegt der eigentliche Luxus dieser Woche. Von hier aus geht es jeden Tag in eine andere Himmelsrichtung: in die stillen Täler im Norden, in die Gärten im Osten, an die Seen im Süden und über die Pässe nach Westen. Am Abend kommen wir zurück. Wer in Grasmere wohnt, wohnt im Herzen des Lake District.

Grüne Gärten und Landschaften
Und mitten hinein haben Menschen Gärten gesetzt – manche so vollkommen in die Landschaft eingeschrieben, dass sie kaum noch als solche zu erkennen sind. Formschnitt aus Eibe, über dreihundert Jahre alt und so wunderlich, dass manche Gestalten bis heute Rätsel aufgeben. Terrassen, die über dem See zu schweben scheinen. Üppige Rhododendronwälder, in denen man sich verlieren kann. Und ein Tal, in dem sich ein kostbares Relikt des atlantischen Regenwaldes erhalten hat: Jeder Stein ist von Moos überwachsen, die Luft ist feucht, dunkel und voller Farne.

Und ja: Es kann regnen. Der Lake District gehört zu den regenreichsten Gegenden Englands, und das ist der Preis für dieses Grün, für das Moos auf den Mauern und für die Wasserfälle, die zu jeder Jahreszeit Wasser führen. Man zieht die Jacke an und geht trotzdem hinaus. Mitunter reisst es nach einer halben Stunde auf, das Gras leuchtet, die Mauern glänzen fast schwarz, und das Licht steht wieder auf den Hängen.
Wir reisen Anfang Mai, und das ist kein Zufall. Dann beginnt die Hauptblüte vieler Rhododendren, unter manchen alten Eichen liegt der Boden blau von Hasenglöckchen, und auf den Weiden stehen Lämmer.

The Lake Poets
Wie wir diese Landschaft heute sehen, ist entscheidend von den Dichtern geprägt – von den Lake Poets William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge und Robert Southey. Was zuvor vielfach als rau, abweisend und unwirtlich galt, wurde durch sie zu einer Landschaft, die England mit anderen Augen zu betrachten lernte.
Der berühmteste unter ihnen, William Wordsworth, durchwanderte diese Täler unermüdlich, legte nicht selten bis zu zwanzig Meilen am Tag zurück und schrieb über sie, bis ganz England hinsah. Er liegt in Grasmere unter den Eiben begraben, die er selbst gepflanzt hat.
Doch Wordsworth tat mehr, als diese Landschaft zu besingen. 1810, als er in Allan Bank oberhalb von Grasmere lebte, schrieb er jenen Satz, der in die Geschichte einging:
…«A sort of national property, in which every man has a right and interest who has an eye to perceive and a heart to enjoy.»
…«Eine Art Nationalgut, an dem jeder Mensch Anrecht und Anteil hat, der ein Auge hat, ihn wahrzunehmen, und ein Herz, sich an ihm zu freuen.»
Es ist einer der folgenreichsten Sätze, die je über eine Landschaft geschrieben wurden: Er löste ihren Wert vom privaten Eigentum und erklärte sie im geistigen Sinne zum gemeinsamen Erbe aller. Hier, in Grasmere, nahm der Nationalparkgedanke eine seiner frühesten geistigen Gestalten an – Jahrzehnte bevor er in Amerika Gesetz und später zu einer weltweiten Bewegung wurde.
Aus diesem Gedanken wurde später konkretes Handeln. Die Kinderbuch-Autorin Beatrix Potter kaufte mit dem Ertrag ihrer Bücher Hof um Hof, um die Landschaft vor Zersiedelung und Verbauung zu bewahren. Ihr ist wesentlich zu verdanken, dass sich der Charakter dieses Landes bis heute erhalten hat.

Musik & Kulinarik
Dazu Musik. Unser Klavierquartett begleitet uns durch die ganze Woche. In Dorfkirchen und historischen Sälen erklingt es in voller Besetzung; unterwegs treten kleinere Formationen und musikalische Überraschungen hinzu – bisweilen auch im Freien, wenn Wetter und Ort es erlauben. Die Musik erscheint dort, wo man kein Konzert erwartet, und lässt die Landschaft für einen Augenblick auf andere Weise hörbar werden.
Auch am Tisch bleibt die Landschaft gegenwärtig. Wir kehren in ausgewählten Inns und Restaurants ein, deren Küche in der Region verwurzelt ist und die Landschaft auf ihre Weise übersetzt. Zwischen ländlicher Gastlichkeit und überraschend feiner Küche zeigt der Lake District noch eine andere Seite seines Charakters.
Es gibt in diesen Tälern eine Erfahrung, für die sich anderswo schwerlich ein Gegenstück findet. Die Wände des Felsens und das Wasser, das aus der Höhe stürzt, besitzen ein Gewicht, das man nicht allein mit den Augen aufnimmt, sondern im eigenen Leibe spürt. Die Mauern über den Weiden stehen seit Jahrhunderten und rühmen sich dessen mit keinem Wort. Das Liebliche und das Erhabene, anderswo durch ganze Länder getrennt, wohnen hier auf wenigen Schritten beieinander und halten einander die Waage.
Und über dem Ganzen waltet eine Gegenwart, die nichts unternimmt und dennoch alles durchdringt. Wo dies zusammentrifft, geschieht bisweilen, für die Dauer eines Atemzugs, etwas, wofür die Sprache kein Wort bereithält.
Dafür reisen wir.
«not a single red tile, no flaring Gentleman’s house, or garden-walls, break in upon the repose of this little unsuspected paradise, but all is peace, rusticity, & happy poverty in its neatest most becoming attire.»
Thomas Gray, Journal in the Lakes; sein Eindruck von Grasmere; Eintrag vom 8. Oktober 1769
Das Programm
Ein erster Überblick. Das endgültige Programm folgt.
Anreise nach Grasmere
Welcome to Grasmere
Flug nach Manchester, Transfer nach Grasmere: ein Dorf aus grauem Stein am Fluss Rothay, mit einem See vor der Haustür. Hier wohnen wir die ganze Woche. Ein erster Gang hinaus führt über den Friedhof von St Oswald’s, wo Wordsworth unter den Eiben liegt, die er selbst gepflanzt hat.
Grasmere und Rydal
In the Heart of Lakeland
Am Morgen der Höhenweg von Grasmere hinüber zum Rydal Water, lange über dem Wasser. Danach der Park von Rydal Hall mit seinem Wasserfall und dem Steinhäuschen von 1668, errichtet zu keinem anderen Zweck, als diesen Wasserfall durch ein einziges Fenster zu betrachten. Nachmittags das Museum in Grasmere, am Abend unser erstes Kammermusikkonzert.
Coniston
What Is a Garden? Where Does It End?
Tarn Hows sieht aus wie ein Werk der Eiszeit und ist doch gemacht: Im neunzehnten Jahrhundert wurden drei kleine Seen zu einem vereinigt und die Ufer bepflanzt wie ein Bild. Weiter nach Monk Coniston, zwischen monumentalen Bäumen. Am Nachmittag Brantwood, das Haus John Ruskins über dem Coniston Water. Der Kunsthistoriker und Sozialreformer hat seinen Hang in Gärten geteilt, die ineinander übergehen und irgendwo im Wald aufhören, ohne dass sich sagen liesse, wo. Unser Besuch endet mit Musik.
Levens Hall und Windermere
The World’s Oldest Topiary Garden
Am Morgen Levens Hall, der älteste erhaltene Formschnittgarten der Welt, ab 1694 angelegt: über hundert Gestalten aus Eibe und Buchs, Kegel, Spiralen, Hüte und Schachfiguren, von denen manche seit dreihundert Jahren geschnitten werden. Nachmittags Holehird Garden hoch über dem Windermere, von Freiwilligen gepflegt. Der Ausklang bei einer neugotischen Burg von 1840 ohne militärischen Sinn, erbaut aus reiner Freude an einem erträumten Mittelalter.
Bassenthwaite, Buttermere und Borrowdale
Into the Rainforest
Der Tag beginnt in Mirehouse & Gardens am Bassenthwaite Lake; unten am Ufer steht die winzige Kirche St Bega’s aus dem 10. Jahrhundert, die Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Über Buttermere und den Honister Pass nach Borrowdale, wo ein Rest des atlantischen Regenwaldes überdauert hat: jahrhundertealte Eichen, Moos auf Stämmen, Steinen und Mauern, Wasser, das an allen Seiten zugleich rinnt. Zum Schluss mit dem Schiff über den Derwent Water nach Keswick.
Little Langdale, Muncaster und Holker Hall
In Full Bloom
Der Morgen im Little Langdale Valley. Danach, hoch über Eskdale am Hardknott Pass, ein unter Hadrian errichtetes Römerkastell am äussersten Rand des Reiches. Gegen Mittag Muncaster Castle, seit achthundert Jahren im Besitz derselben Familie, mit einer historisch bedeutenden Rhododendronsammlung, die Anfang Mai gewöhnlich in voller Blüte steht. Am Nachmittag der Landschaftspark von Holker Hall, wo die Great Holker Lime wächst, eine vierhundertjährige Linde und National Champion. Der Tag endet mit unserem Abschlusskonzert im Saal des Hauses.
Stagshaw und Grasmere
Farewell to Lakeland
Am letzten Morgen Stagshaw Garden über dem Windermere, ein Waldgarten aus Rhododendren und Azaleen, den ein Verwalter des National Trust ab den Fünfzigerjahren in einen Steilhang pflanzte. Anschliessend der Champion Tree Trail durch einen Wald mit einigen der höchsten Bäume Englands. Danach Zeit in Grasmere: ein letzter Gang an den See und der Gingerbread Shop, in dem seit über hundertfünfzig Jahren nach demselben geheimen Rezept gebacken wird. Am Nachmittag Rückreise in die Schweiz.
Manche Landschaften lässt man hinter sich. Andere reisen mit uns weiter. Aus dem Lake District kehrt man zurück mit dem wandernden Licht auf den Fells vor Augen, dem Geschmack von Gingerbread und den poetischen Zeilen William Wordsworths im Ohr – und mit etwas, das sich nicht festhalten lässt und dennoch bleibt.
Die Reise ist für Anfang Mai 2028 geplant. Den genauen Termin, das definitive Programm und den Reisepreis geben wir bekannt, sobald die Planung abgeschlossen ist.
Wenn Sie vor der offiziellen Ausschreibung informiert werden möchten, können Sie sich bereits jetzt unverbindlich vormerken lassen. Da wir bewusst in kleiner Gruppe reisen, erhalten vorgemerkte Gäste die Reiseausschreibung zuerst. Eine Vormerkung ist unverbindlich und noch keine Buchung.

